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Für Aufregung am Wiener Radiomarkt sorgt die Allianz von 88.6 und 92,9 RTL mit dem „Erzfeind“ Ö3. Die beiden Sender lassen sich gemeinsam mit den Regionalradios RPN (Niederösterreich) und Radio Servus (Burgenland) unter dem Namen Ö3plus vermarkten. Dass das private Radioquartett im Wind des öffentlich-rechtlichen Reichweitenkaisers segelt, findet die Antenne Wien, die so wie Energy von der RMS national vermarktet wird, überhaupt nicht lustig.

Sie bemüht die Gerichte wegen angeblicher Verstöße gegen das Kartellgesetz. Das Fellner-Blatt TV-Media titelt „ORF subventioniert Privatradios“. Vergebens. Das Wiener Handelsgericht „gibt dem ORF und seinen Partnern in allen Punkten recht“ freut sich Ö3 Anfang Juni 1998.

Zu diesem Zeitpunkt fiebern alle Radiomacher dem großen Tag entgegen. Der 22. Juli rückt näher und die Anspannung in den Chefetagen und den Redaktionen der Sender steigt. Der erste „Radiotest“ erscheint. Zwar haben die Sender bereits im Vorfeld eigene Studien in Auftrag gegeben, aber nur der Radiotest vom Meinungsforschungsinstitut Fessl-GfK liefert Hörerzahlen, die von allen privaten und öffentlich-rechtlichen Sendern und der Werbewirtschaft anerkannt werden.

Das Ergebnis: zwei Gewinner, zwei Verlierer. Strahlender Sieger ist 88.6. Das Konzept von Programmchef Bernd Sebor und Stephan Schwenk, seinem Berater aus Deutschland, ist aufgegangen. Mit über 25 % Tagesreichweite und 25% Marktanteil in der für Privatradios wichtigen Gruppe der 14-49jährigen hat 88.6 nicht nur die private Konkurrenz deutlich abgehängt, sondern auch das öffentlich-rechtliche „Radio Wien“ hinter sich gelassen. An Ö3 kommt freilich auch 88.6 nicht heran.